Pressestimmen
 
   
INFINITO NERO

Pressestimmen zur ersten Aufführung am 11.04.2004
 
 
zurück    Als Gesamtensemble entwickelt der Abend eine Atmosphäre, in der spürbar wird, dass im Laufe der Arbeit aus achtzehn Teilnehmern eine Gruppe geworden ist. Gerade für die jungen Theatermacher dürften die hier gesammelten Erfahrungen von unschätzbarem Wert sein. Dass sich eine Institution, in diesem Fall die Staatsoper Stuttgart, eine solche Experimentierstätte überhaupt leistet, ist nicht hoch genug zu bewerten.
Neue Zürcher Zeitung

Es sind Werkstatt-Einblicke: Zusammengespannt mit Sciarrinos Einakter Infinito nero (1998) zeigt das Forum Neues Musiktheater im Römerkastell acht weitere Projekte. Heraus kam dabei ein knapp dreistündiger Abend mit Workshop-Charakter, ein vorläufiges Resumee der Arbeit. (...) Übers Ganze gesehen, ausgesprochen spannend. (...) Herausragend dann wieder Sciarrinos Vanitas (1981), ein „Stillleben in einem Akt”, das Michael v. zur Mühlen als brillante Vergänglichkeitsstudie inszeniert – eine einsame Frau beim Schminken hinter einer Plexiglaswand. Klavier und Cello zelebrieren wunderschöne Klangbizarrerien. Und Rosemara Ribeiro singt dazu Fragmente einer zarten, verwehten Jazzballade.
Südwest Presse

Die Visionen der Mystikerin Maria Maddalena de’ Pazzi aus dem 16. Jahrhundert, deren mündlich überlieferte Fragmente der italienische Komponist Salvatore Sciarrino für Mezzosopran und acht Instrumente als Ekstase in einem Akt bearbeitet hat, sind das Fundament des musiktheatralischen Abends über Dasein und Tod, Körper und Transzendenz. (...) Und Sarah Maria Sun ist eine hoch präsente, eindringlich artikulierende Protagonistin.
Cannstatter Zeitung

Wie Infinito nero nach Textfragmenten der Mystikerin (oder Schizophreniekranken?) Maria Maddalena de’Pazzi (delikat gesungen von Sarah Maria Sun) ist auch Sciarrinos Vanitas für Stimme, Cello und Klavier musikalisch zelebrierte Stille, ein Kontinuum, naturhaft anmutender Geräusche, Rhythmen und Töne, die in permanent variierten Kombinationen entfaltet werden.
Stuttgarter Zeitung

Man darf sich die Arbeit beim „Forum“ nicht wie an einer regulären Opernbühne vorstellen, wo das Projekt klar umrissen und die Arbeitsteilung geregelt ist. Stattdessen kam eine heterogene Gruppe junger Theatermacher zusammen: Regisseure, Bühnenbildner, Komponisten und Musiker, die alle zunächst nicht mehr wussten, als dass sie gemeinsam an Infinito nero arbeiten würden. (...) Der schönste Beitrag aber ist ein Video von Anja Kleinmichel, Achim Naumann und Michael von zur Mühlen zu Sciarrinos Klavierstück Perduto in una città d'acque.
Badische Zeitung

Bemerkenswert: Michael v. zur Mühlens Vanitas in einem transparenten Fotolabor mit der vorzüglichen Mezzosopranistin Rosemara Ribeiro.“
Rheinischer Merkur

(…) Dass ein Regisseur wie Joachim Schlömer hier nicht die bekannte und vertraute finale Perfektion des normalen Theaterbetriebs herzustellen versucht hat, was ihm schwergefallen sei, was er zugibt, ist sicherlich bemerkenswert. Die Tür bleibt offen für Veränderungen, für Diskussionen. Besser kann das Forum Neues Musiktheater seine Arbeit kaum dokumentieren.
DeutschlandRadio Berlin - Musikthema

(…) Sciarrinos Musik greift diese Signale und Impulse auf: Sie wirkt wie ein hochempfindliches elektronisches Gerät, das jede noch so feinste Äußerung des Seelischen registriert: Atem-Rhythmus, Herzklopfen dringen durch die Stille, die Musik entfaltet sich über kaum wahrnehmbare Geräusche, setzt knapp formulierte Klangpartikel, scheint mit den Klängen unablässig in die Person der Maria Maddalena hineinzulauschen, in das unheimliche Dunkel einer geheimnisvollen Seele hineinleuchten zu wollen. Gerade aus der bewußten Reduktion aber wächst eine ungeheure Spannung. Die Musik, so wirkt es, zieht den Zuhörer unmerklich mit in die Seelenerkundung hinein. Es geht eine große emotionale Gewalt von ihr aus, gerade in ihrem unablässigen Drang zum Verstummen.
Neue Musikzeitung